Mittwoch, August 15, 2007

Go-Go-Gadgeto-Blogeintrag!


oder: Die spinnen, die Briten.

Ok, ich glaube, nun habe ich wirklich lange genug gewartet, keiner guckt mehr auf diesen Blog, schreibt mir, hab ich lang genug nicht geschrieben? Ja? Danke.

Wie nur sehr wenige von euch wissen, bin ich derzeit in London, genauer gesagt: Watford. Da von den wenigen, die das wissen, wahrscheinlich noch weniger (also garkeine) auf diese kümmerliche Seite gucken, werd ich mich nun mal gemütlich über England auslassen, ohne dabei etwas auszulassen.

Ich wohne in Watford, das steht laut Google-Maps zu London so wie das zarte Germeringen zu München. Alles quatsch, wie sich herausgestellt hat, Watford hat 250.000 Einwohner und liegt nen Ärmelkanal von der Innenstadt entfernt. Soviel zur emotionalen Wahrheit. Es geht, in einer Stunde bin ich an der Subway-Junction "Bank", also wirklich nah am Kern. Watford an sich hat auch den Charme von Germeringen (ja, keinen!), wobei es fast noch schlimmer ist: die Häuser hier sehen ALLE gleich aus. Ja, wirklich ALLE. Also die Wohnhäuser, Tankstellen unterscheiden sich dann doch noch von Kirchen, klar. Bis heute kann ich nicht verstehen, wie ich vor 2 Tagen das erste mal aus der Arbeit heimgefunden habe, nach einer Stunde fahrt auf den most-fuct-up-motorways-of-europe. Es grenzt einfach an ein Wunder. Man könnte nun das Beispiel von dem Wanderer in der Wüste erzählen, der ja theoretisch immer im Kreis läuft, weil man irgendwie logischerweise nie geradeaus gehen kann. Der Arme Wanderer würde das natürlich nicht erfahren, vorher wird ihm von Al-Quaida oder der US-Army oder beiden das Licht ausgeschalten, er verhungert, verdurstet oder wenn er wieder an der Stelle ankäme, wären natürlich seine Spuren weg. Ha.



Aber ich schweife ab, ich weiß. Fakt ist, ich hab nach Hause gefunden. Das, wo alle Häuser gleich aussehen. Heißt: Klein, backsteinfarben, davor eine Idee von Garten und eben immer gleich angeordnet. Working-Class halt. Ich habe die Theorie aufgestellt, dass die Engländer hier mit den dicksten Autos (M3 bis donnermichweg-Landrover) die wirklich winzigsten Gärten haben, wohingegen die passionierten Fiat-Cinquecento-Fahrer Gärten haben, in denen in Relation zu den Häusern wahre Golf-Open abgehalten werden könnten. Das stimmt natürlich nicht. Ein Hund kann hier seine sausage lassen, ohne dabei sich zerquetschen zu müssen, um das Grün zu erwischen. Das war's auch schon.

Ich fahre einen Vauxhall-Mietwagen. Der Deutsche, der den Tellerrand bisher nur von Innen kennt, weiß: "Hä? Watn dat?" Der Deutsche, der durch günstige Umstände einmal über obigen Tellerrand gestolpert ist, weiß: "Ha, ein Opel!" Als ich hier ankam und begann, die Vauxhall-Situation zu überblicken überkam mich ein fieses Grinsen: Die lieben Engländer fahren hier alle Opel und wissen es nicht. Haha. Naja, ich schweife ja schon wieder aus. Der Opel ist alright, er fährt, schnell fahren muss man hier nämlich eh nicht, denn mehr als 70 erlaubt die Queen nicht. Ich weiß zwar wirklich nicht, weshalb man sich dann hier nen dicken M3 kaufen müsste, man kann ihn sowieso nicht ausfahren (und in London muss man Congestion Charge zahlen, schlappe 8 Pfund am Tag, außer man fährt ein Auto, das sich bis zum Dasein als Schilfblatt recyclen lässt - autsch!), aber ich glaub, das muss man nicht verstehen.

Soviel erstmal für heute - beim nächsten Mal erzähle ich euch von meinen ersten Eindrücken in London, wie Manager in der Subway geköpft werden ("Now get in the tube, we really shut the doors!" ), wie man von lauter Menschen in Anzügen überrannt und zertrampelt hätte werden können, nur weil man meinte, die Haltestelle "Bank" wäre harmlos innenstadtnah und noch vieles mehr.

Stop. Ich hab grad nichts zu tun, Hunger auch nicht, also schreibe ich weiter. Ich weiß, ich neige grad wirklich zum bösen Lästern, aber es muss einfach raus. Die Nachrichten hier sind der Hammer! Das Radio im Allgemeinen!

Aber ich möchte von vorne Anfangen. Das Radio in England ist eine Immobilie. Punkt. Mir ist es wirklich passiert, das ich über eine Hügelkuppe fuhr und -paff- war ein neuer Sender drin. Der Übergang hat nichtmal geknistert. Da natürlich gerade dann das vorherige Lied auch noch hörbaar geschweige denn schön war, versuchte ich, wie ein Irrer über die Lenkradschaltung den alten Sender wieder herzubekommen - "Certainly funny, but completely hopeless." war das kalte Statement meines Arbeitskollegen. Okay. Soviel zum System. Nun der Inhalt. Wo in Deutschland alle halbe Stunde über das Weltgeschehen informiert wird, ob es einen interessiert oder nicht, man Wetter und Verkehrsinfos bekommt, da gibt es hier einfach nur Spam. Ich weiß nicht, nach welchem Muster Verkehrsinfos durchgegeben werden, aber Dan Brown würde seinen Chiffrierfreak oder Codebastler sicher irgendwo bei BBC finden: Trafficnews kamen bisher zu allen möglichen Uhrzeiten, aber nicht zur halben oder zur vollen Stunde. Whatever. Nachrichten kommen. Zwar auch hin und wieder etwas lustig puzzlig verteilt, aber sie kommen.

Und was für Nachrichten! Auf Antenne Bayern gibts erst Internationales, dann Nationales (Politik!), dann vielleicht irgendnen Mist, den keiner braucht, aber jeder wissen will (Mönch wurde vergewaltigt, sowas) und dann Sport. So in der Art, ich hoffe ob des Lesers Konsens. In England geht das genau andersrum, nur das die letzten beiden Teile weggelassen werden, die interessieren hier entweder nämlich niemand, oder alle Engländer bekommen sie telepathisch vermittelt, direkt aus dem House of Commons oder sowas. Keine Ahnung. Hier macht man das Radio an und ZACK: "Young toddler trampled to death in front of the eyes of his mum!" "Familyfather beaten up by 3 16-year-old boys!" "Biker shot down on the M1!" Fuck the Police?

Um in die Medien zu kommen, machen Menschen ja schon die witzigsten Sachen: Sie leugnen den Holocaust, tauschen Pinsel und Staffelei gegen Koks und Nutten, gründen lustige Linke Parteien und klöpfen rechte Sprüche, erfinden Big Brother oder sind einfach brunzdumm ("Maschendraht."). Hier nicht nötig: One day attention? Kill somebody in a creative way! Ich glaub, als kreativer und etwas impressionistischer Massenmörder würde man ein Todesgehalt von den Medien hier bekommen.

Achja, Sport. Der ist wichtig. Und ich glaube, im Sport vereint sich Politik und Internationales, auch wenn das für uns "strangers" wahrscheinlich unergründlich bleiben wird. Ich lerne derzeit noch mehr über Cricket, das ist für mich noch ein Buch mit 7 Siegeln, aber öfter wird über irgendein Fußballspiel in direktem Zusammenhang mit dem Wort "Germany" gesprochen, und wenn das statt findet, muss ich da sein. Dann gehe ich ins "The Verulam", wo der freundliche Afro-Amerikaner aus der Firma, der mich zu Wohnung und Auto gebracht das Statement im Vorbeifahren lies: "Now i wouldn't enter that pub." Wenn ihr also in ein paar Tagen nichts mehr lest - keine Sorge, entweder ich bin wieder 3 Monate schreibfaul oder hab das Pub mit den Füßen nach vorne verlassen.

So, eigentlich müsste ich jetzt noch sehr auf London eingehen, aber das wäre jetzt ungerecht. Der Stadt gegenüber. Die ist nämlich wirklich teu...äh toll, und die muss ich mir noch genauer anschauen. Das mache ich kommendes Wochenende und in der Zeit danach...dann gibts wieder News. Ich muss mal schauen, was ich hier in Sachen Illustration unternehme. Wenn ich den Text gleich online stelle, werde ich nicht lange Zeit haben, denn das Internet, das ich hier über ein offenes (haha!) WLAN habe, funktioniert nie lang und ich muss das Notebook eigentlich immer wirr schräg durchs Badfenster halten und gleichzeitig auf ein gutes Verhältnis Venus - Mond hoffen.
Also dennoch viele liebe Grüße an euch Alle von der Insel, auf bald!

-bene-