Donnerstag, August 26, 2010

Lämmer im Nebel

Am Samstag morgen um 4.53 Uhr war das Lamm umstellt. Kurz nach 5 Uhr war er am zweiten Stock angekommen, vorher war er schon unaufhaltbar; in einer WG fand gerade eine Geburtstagsfeier statt. Die Mehrheit der Gäste der Geburtstagsfeier war noch zu klaren Worten im Stande und begann in ähnlicher Geschwindigkeit, sich über ihn zu echauffieren: Der Nebel.
Nebel am Highway No 1, nördlich von San Luis Obispo.

Manchmal ist das auf Feiern so, dass man unter all dem Smalltalk, dem Lachen und den subtilen Blicken sich entfernt und eine innere Distanz gewinnt. Ich stell mir dann immer vor, wie ich mit etwas Fusel in der Hand da stehe und dumm durch die Wand ziellos blicke. Dann sieht man die Gespräche, das Schmunzeln und die Augen, die die Zwischenmenschlichkeit scannen. Und alles wird zu einem System, so wie ein Kastanienmännchen, dass durch die Gegend kullert und das sieht man dann von außen, und dann ahnt man, wo es hin rollt.

In dem Fall rollte es darauf hin, den Nebel, den August und den ganzen Sommer zu verfluchen. Das finde ich natürlich alles völlig legitim. Aber ändern kann ich ja auch nichts! Deswegen brech ich jetzt eine Lanze für den Nebel. Der Nebel ist, wenn man etwas nachdenkt, eigentlich einer der angenehmsten (Wetter)Zustände: Er peitscht dir nicht ins Gesicht, er hüllt dich ein. Er verbrennt dich nicht sondern gibt dir Kühle. Er macht deine Klamotten nicht klatschnass, sondern die Pullis nur weicher. Er spielt auch nicht Punching Ball mit den Gefühlen und der Stimmung, so wie das bei Tief- oder Hochdruckgebieten der Fall ist. Der Nebel macht dagegen Lust auf:
Ich, Gondel, Tannheimer Tal, nix zu sehen.
  • Herbstwanderungen wie früher, als Sonntag Nachmittage noch gut sein konnten
  • Heiße Schokolade in Altstädten
  • Herr der Ringe Filmabende
  • Dagobah
  • Skifahren
  • Von oben auf die Nebeldecke gucken
Also bei mir jedenfalls, auf den ersten Gedanken.

Bei Nebel fällt mir immer ein, wie ich in meiner ersten eigenen Wohnung meinen ersten eigenen Filterkaffee mit Milch aus einer großen Boule im Fenster des dritten Stock sitzend genossen habe, während darunter sich die blecherne Pendlerschlange aus Landsberg von der Karolinenbrücke hinauf zum Schongauer Dreieck ganz gemächlich schob und robbte. So gegen 6.30 Uhr, als die Sonne den ersten Blick freigab auf das Meer aus Nebel, das natürlich völlig ruhig war, aber durch die Lechstaustufe eben doch den Morgen untermalt hat. Das Schauspiel blieb dann eine halbe Stunde und verschwand dann so schnell wie es kam.

Und das war schon immer gut und weil ich auch nie einen Autounfall im Nebel hatte, sondern nur, weil ich selber bei hellichtem Tage zu schusslig war, deswegen mag ich den Nebel eigentlich immer ganz gern.

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