Dienstag, Oktober 19, 2010

Der Augsburg-Song oder: Schildbürger treiben's lang und dreckig.

Immer, wenn ich viel wichtigeres zu tun habe, bin ich besonders anfällig für Ablenkung. Diese liefert mir heute Abend der Augsburg-Song, gefunden auf dem Twitter-Account von Tom Pösl.

Vorneweg: Der Song ist der Brüller. Ich habe Mühe, die ganzen Rants zu ordnen, die mir dazu einfallen. Ich mach ma 'ne Liste:
Auch die Spielerfrauen lassens kräftig krachen
bei der Feier des AEV.
  • Wo sind sie hin, die ganzen "sch", im Augsburg-Song?
  • Augsburg: Wir sind so multikulti, wir haben sogar Latein in unserer Stadthymne.
  • Make yourself last (eternally) longer in bed: the Augsburg-Song.
  • Die singen da nicht wirklich "Festina lente augusta vindelicorum"? Eile mit Weile? Was meinen die, den Kö? Die Ämter?
  • "Auch fickende Bischöfe können tolle Lieder schreiben." (Ok, der ist von Harald Schmidt, aber leicht abgewandelt)
Die rockigen Riffs und das groteske Gegröle lassen ahnen, dass neben "Wetten dass...?" bestimmt bald auch der Fernsehgarten nach Datschiburg kommt, außerdem suggeriert der Song ein heiteres Publikum an Rockantenne-Hörern. Wenn ich aus meinem Innenstadt-Fenster blicke sehe ich: LKW-Fahrer, Metzgerschüler und Professorinnen. Stimmt also.

Leider ist der Text an manchen Stellen nur schwer verständlich, was jedoch für mich eine lieb gemeinte Allegorie zum Augsburger Alltag darstellt. Über die Vocals lässt sich sagen, dass sie nicht klingen, als kämen sie von Laien, eher von Laien, die gerade sprechen gelernt hätten.
Fast, Kurt, fast: "Noch e bissle, Ohre zu!"
(Bild von der AZ)

Naja, jetzt wird's langsam deppert. Mit weniger Ironie: ich finde den Song einfach peinlich. Das sind (für mich) diese Schildbürger-Aktionen von bayrischen Kleinstädten, bei welchen man sich von außen betrachtet nur an den Kopf langen kann. Nicht schlimm, bringen andere auch.

Lobend wäre zum Beispiel die einst ganz coole "Lebe mich, dein Augsburg"-Kampagne zu erwähnen, welche die allgemein putzige Innenstadt auf eine moderne und urbane Art schön aufpeppen konnte.

Fairerweise sollte ich sowieso mal schreiben, dass ich kein totaler Augsburg-Hasser bin, auch wenn das meine sonstigen Aussagen und Kommentare suggerieren könnten: Es ist angenehm hier, der Lebensstandard gut, wenn auch nicht München, aber dafür erschwinglicher. Augsburg hat eine Campus-Universität, was die nötige Anzahl an Fahrten mit dem ÖPNV zu einem erträglichen Maß minimiert. Dazu kommt, dass ich hier mit meinem bescheidenen Studentenlohn trotzdem in exklusiver Innenstadt-Lage hausen, ja sogar: wohnen kann. Danke dafür.


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